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Selfpublishing mit menschlicher Intelligenz
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Perspektiven fürs Lektorat

Selfpublishing mit menschlicher und künstlicher Intelligenz

KI-Modelle ersetzen keine menschlichen Autor*innen oder Lektor*innen, aber sie können deren Arbeit unterstützen. Wir stellen drei Tools vor, die für Selfpublishing interessant sind.

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Ines Balcik
19. März 2026

Drei Tools für bessere Veröffentlichungen

Künstliche Intelligenz ist für viele Kreative ein rotes Tuch. Andererseits ist KI in der einen oder anderen Form längst in der Welt der Bücher, der Verlage und des Selfpublishings angekommen. Nicht beim Schreiben, denn da wünsche nicht nur ich mir weiterhin von Menschen mit Empfindungen und Gefühlen verfasste Texte für Menschen aus Fleisch und Blut.

Beim Publizieren ist das Schreiben nur ein Baustein des gesamten Veröffentlichungsprozesses. Für Verlage liegt es nahe, dass sie KI für Verwaltungsprozesse einsetzen und damit administrative Aufgaben beschleunigen, Zum Beispiel die Verwaltung der Backlist.

Ich habe mich in den letzten Wochen umgesehen, in welchen Bereichen KI-Modelle mich als freie Lektorin einerseits und als Selfpublisherin andererseits unterstützen könnten. Im englischsprachigen Raum ist das Angebot sicherlich größer, aber für deutschsprachige Veröffentlichungen habe ich (Stand März 2026) drei interessante DSGVO-konforme Tools gefunden.

LiSA für Autor*innen und Verlage

Bereits gibt es 2018 LiSA von QualiFiction. Verfügbar ist eine Version für Autoren und eine für Verlage. Mit einem kostenlosen Demozugang kann man sich ansehen, was das Tool untersucht: Es ordnet das Thema ein, analysiert den Spannungsaufbau, liefert Zahlen zur Zeichen- und Wörterzahl, zur Satzlänge, zum Vokabular und zur Lesbarkeit, analysiert die Erzählperspektive und Aspekte der Figurenbeziehungen und gibt eine Einschätzung zum Leserpotenzial.

Preise gibt es für einzelne Manuskript-Analysen, die Paketpreise sind interessant, wenn man den Fortschritt des Manuskripts überprüfen will, zum Beispiel in Zusammenarbeit mit einem Lektorat: zur Preisübersicht.

narratiQ als Assistent für Verlagslektor*innen

Noch recht neu am Start ist narratiQ. Auch dieses Tool liefert Analysen kompletter Manuskripte. Was die Analysen im Einzelnen beinhalten, sieht man mit dem kostenlosen Demozugang, der mittlerweile 12 Manuskript-Analysen zugänglich macht, darunter ein Sachbuch. Mit weiteren Mitgliedern der AG KI im Lektorenverband VFLL konnte ich dieses Tool ausgiebig testen. Die Erfahrungen dieses Tests fasst ein Blogartikel im VFLL-Blog zusammen: Die AG KI hat getestet: Manuskriptanalyse mit narratiQ

Zum Preismodell gibt es zurzeit keine Angaben auf der Website, aber mein Wissensstand ist, dass es Preise pro Manuskript-Analyse geben wird.

Ein sympathischer Textbegleiter von Scribigo

Zurzeit teste ich Scribigo, das einen Textbuddy bereitstellt unter dem Motto „Korrektorat trifft Lektorat“. Damit deutet sich an, dass sich die Funktionen von den beiden anderen Tools unterscheiden. Während bei Letzteren die Analyse ganzer Manuskripte im Vordergrund steht, ermöglicht der Textbuddy zusätzlich die kleinteilige Arbeit am Text. Das heißt, ich entscheide selbst, ob ich ein ganzes Manuskript analysieren, lektorieren oder korrigieren möchte oder gezielt nur einzelne Textabschnitte oder bestimmte Funktionen nutzen möchte. Sehr positiv finde ich auch, dass ich Texte in vielen gängigen Dateiversionen eingeben kann, z. B. auch im Format EPUB oder PDF.

Das alles macht das Tool aus meiner Sicht sehr attraktiv. Als Lektorin könnte mich der schnelle KI-Textbuddy bei einzelnen Arbeitsschritten unterstützen, damit ich mehr Zeit aufwenden kann für Aufgaben, die menschliche Prüfung benötigen, ohne das Lektorats-Budget der Autor*innen unnötig zu strapazieren. Als Selfpublisherin könnte ich mit dem Textbuddy an der Qualität meiner Texte noch besser feilen, bevor ich sie an einen Lektor oder eine Lektorin weitergebe. Jeder, der mit Texten arbeitet, wie viele Überarbeitungen nötig sind vom ersten Schreibentwurf bis zum Manuskript, das veröffentlicht werden soll. Und wie betriebsblind man im Überabeitungsprozess zu werden droht, bis man über Fehler und Brüche einfach hinwegliest. An der einen oder anderen Stelle dürfte KI-Unterstützung auch für diesen Aspekt durchaus hilfreich sein, bevor letztlich ein Mensch den letzten Feinschliff verleiht und das Gesamtwerk freigibt.

Die flexiblen Möglichkeiten des Textbuddy spiegeln sich auch in der Preisgestaltung wider. Anstelle von Preisen für Analysen ganzer Manuskripte gibt es „Scribits“, die als monatliche Abos, Flatrates oder auch für einzelne Texte erworben werden können.

Datenschutz und Fazit

Bei allen KI-Werkzeugen im Umgang mit Texten spielt der Datenschutz eine wichtige Rolle. Kein Autor möchte, dass seine Texte ungefragt zum Training von KI-Modellen herhalten, keine verantwortungsvolle Lektorin kann Kundentexte ohne ausdrückliches Einverständnis in ein KI-Tool eingeben. Da die Anbieter der drei getestetn Tools einen deutschen Firmensitz haben, folgen sie den Anforderungen der DSGVO. Darüber hinaus ist es sinnvoll, sich genau anzusehen, welche LLM genutzt werden und wie mit Kundentexten verfahren wird. Für LiSA finde ich auch nach längerem Suchen nur die allgemeinen Datenschutzbestimmungen zur Website. Narratiq erklärt auf der Seite datenschutz-ki ausdrücklich, wie mit den Manuskripten verfahren wird. Scribigo nutzt nach Angaben auf der Startseite zurzeit LLMs von Anthropic, OpenAI und Mistral ohne Anwendung für Trainingszwecke, Dokumente werden nach 30 Tagen gelöscht.

Es bleibt spannend, wie sich KI als Assistenz für Lektorat und Selfpublishing entwickeln wird. Dass in der einen oder anderen Form KI-Hilfsmittel über reine Recherchezwecke hinaus etablieren werden, lässt sich nicht aufhalten. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Urheberrechten und Datenschutz einerseits und technischen Möglichkeiten andererseits bleibt zentral.

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