Warum europäische Alternativen?
Aus verschiedenen Gründen werden Alternativen zu amerikanischen Tech-Giganten immer attraktiver. DSGVO-konformer Datenschutz, Serverstandorte in der EU und Unabhängigkeit von Big-Tech-Konzernen sind wichtige Entscheidungshilfen für europäische Nutzer*innen. Möglicherweise lassen sich Produkte von EU-Unternehmen auch besser in europäische Arbeitsabläufe integrieren – für Unternehmen, die mit sensiblen Daten umgehen, für Behörden oder auch für Einzelpersonen, die Office-Tools beruflich oder privat nutzen.
Dieser Beitrag konzentriert sich auf Alternativen zu Microsoft Office, also auf gängige Büro-Anwendungen. Er beruht auf persönlichen Erfahrungen, die ich in den letzten Jahren mit SoftMaker gesammelt habe.
Drei Websites zum Einstieg
Vorab möchte ich auf drei Websites hinweisen, die beim generellen Einstieg ins Thema EU-Alternativen helfen können.
Jeweils am ersten Sonntag eines Monats ruft die Initiative DI.DAY (Digital Independence Day) dazu auf, von großen Technologiekonzernen zu datenschutzfreundlichen, offenen Alternativen zu wechseln. Mit einem Wechsel zu Anwendungen, die im Einklang mit demokratischen Grundwerten stehen, soll sowohl digitale Souveränität gestärkt als auch digitale Unabhängigkeit gesichert werden. Hinter diesem nicht-kommerziellen Projekt steht Constantin Graf, ein österreichischer Softwareentwickler. Er sammelt europäische Alternativen zu digitalen Dienstleistungen und Produkten in zahlreichen Kategorien, die von Browsern über Cloud-Services, E-Mail-Provider und Social-Media-Dienste zu Video-Anbietern reichen. Das macht die Website zu einer guten Anlaufstelle, wenn man gezielt eine Alternative zu einem bestimmten Dienst oder Tool sucht. Thematisch etwas aus der Reihe fällt die kostenlose Lernplattform KI-Campus, eine Gemeinschaftsinitiative, die vom Stifterverband koordiniert wird. Auch wenn der thematische Fokus des Lernangebots auf künstlicher Intelligenz liegt, finden sich dort viele Angebote zu Grundlagen und Kompetenzen, die im Umgang mit IT und Datenverarbeitung interessant sind.Software aus Deutschland: SoftMaker
Zurück zum eigentlichen Thema: Alternativen zum weit verbreiteten Microsoft Office. Als freiberufliche Lektorin erhalte ich meist Textdateien zum Bearbeiten, und dafür schien sich schon vor Jahren Microsoft Word als Standard etabliert zu haben. Für meinen Arbeitsbereich ist vor allem wichtig, dass Kunden Änderungen in der Datei nachverfolgen können, dass Format- und Zeichenvorlagen zuverlässig übernommen werden und nicht zuletzt, dass die Datei überhaupt geöffnet werden kann. Lachen Sie nicht über den letzten Punkt. Zugegeben, in letzter Zeit ist das nicht mehr vorgekommen, aber in den ersten Jahren des Internets war das manchmal durchaus ein Problem. Neben den Funktionalitäten muss ich als Solo-Selbstständige auch immer das Kosten-Nutzen-Verhältnis im Blick behalten. Nicht zuletzt dieser Punkt war es, der für mich irgendwann das mitunter holprige „Arbeiten mit Word-Fass“ zum Überlaufen brachte. Die Zeit für eine Alternative war gekommen.
Vor über zehn Jahren entschied ich mich für SoftMaker. Entscheidend für mich war damals neben dem Preis die völlige Kompatibilität mit Word. Bald lernte ich die zusätzlich enthaltenen Features schätzen, die für mich als freie Lektorin besonders interessant sind, nämlich das Duden-Universalwörterbuch und der Duden-Korrektor. Auch wenn der Korrektor immer schon seine Schwächen hatte, kann er doch dabei unstrstützen, Buchstabendreher und Schreibfehler zu finden. Inzwischen gehören auch KI-Tools zur Ausstattung des Schreibprogramms Textmaker. Wer will, kann aus der Anwendung heraus ChatGPT, LanguageTool oder DeepL nutzen. Dabei erinnere ich mich an eine Periode, in der der Duden-Korrektor aus Textmaker zu verschwinden drohte, das heißt, nach einem Software-Update musste er manuell ergänzt werden. So ändern sich die Zeiten.Als vor Jahren auch SoftMaker dazu überging, die Anwendungen für Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationen in SoftMaker Office NX Universal zu bündeln und Abo-Modell anzubieten, war ich schon so zufrieden, dass ich blieb. Heute bin ich froh, mich für Made in Germany entschieden zu haben, bevor die DSGVO überhaupt in Kraft trat.
Die wichtigsten europäischen Office-Alternativen
Natürlich ist SoftMaker nicht die einzige DSGVO-konforme Lösung für grundlegende Büroprogramme. Hier folgt eine kurze Übersicht über vier weitere europäische Alternativen zu MS Office.
LibreOffice ist eine weit verbreitete und kostenlose Open-Source-Anwendung. Das Textverarbeitungsprogramm LibreOffice Writer und das Tabellenkalkulationsprogramm Calc nutze ich selbst gerne und häufig für eigene Zwecke. Im Business-Bereich greife ich ungern darauf zurück, weil es manchmal zu Problemen mit der Kompatibilität kommt, z. B. Bei Formatvorlagen. Ashampoo ist eine weitere kostengünstige Office-Alternative aus Deutschland für Texte, Tabellen und Präsentationen. Der Fokus liegt auf den Grundlagen dieser Anwendungen und scheint alle Formate gut zu unterstützen. Eine wichtige Einschränkung gibt es jedoch: Ashampoo setzt das Betriebssystem Windows voraus. Die Calligra Suite wurde von KDE e. V. Mit Sitz in Berlin entwickelt, einer Gemeinschaft aus Programmierern, Künstlern und anderen, die sich für freie Software einsetzen. Zu den üblichen Office-Anwendungen kommt die Integration von Grafiktools, was Calligra für Grafiker*innen und ähnliche Berufe sicherlich attraktiv macht. Die Calligra Suite wird primär für Linux entwickelt. Euro-Office ist quelloffen und browserbasiert und wird neuerdings als europäische Alternative zu Microsoft Office und zu Google Workspace entwickelt. Das Projekt beruht auf einem Fork (d. h. einer Abspaltung) von OnlyOffice, der Fokus liegt auf der Entwicklung einer sicheren und DSGVO-konformen Lösung.Tschüs Microsoft?
Warum nicht! Schon dieser kurze Überblick zeigt, dass es gleich mehrere sinnvolle EU-Alternativen gibt. Alle Programme punkten mit dem Fokus auf Datenschutz, EU-Servern und professionellen Features. Welcher Anwendung man letztlich den Vorzug gibt, hängt vom eigenen Bedarf, vom Bugdet und den eigenen Anforderungen an Textverarbeitung und Co. ab.
Worauf sind Sie umgestiegen? Oder anders gefragt: Worauf warten Sie eigentlich noch?